Die wichtigsten Finanzierungsformen für Gründer und Startups im Überblick

Beitrag von Andreas Wüthrich, Dynamis Treuhand AG

Gründer denken natürlich zuerst an ihr Produkt oder an ihre Dienstleistung. Oftmals unterschätzen sie daneben ihren tatsächlichen Finanzbedarf beim Start oder in der Wachstumsphase. Jede fünfte Jungfirma überlebt das erste Geschäftsjahr aufgrund von Kapitalmangel und Liquiditätsproblemen nicht! Deshalb empfehlen wir Jungunternehmern, vor seiner Firmengründung die Investitionskosten und künftigen Fixkosten mit entsprechenden Planungstools zu ermitteln.

Zuerst den Kapitalbedarf einschätzen

Bevor Finanzquellen gesucht werden, muss zuerst der Finanzbedarf ermittelt werden: Wie hoch sind die Gründungskosten? Was muss ich anschaffen an Büromöbeln, Bürostühlen, Schränken, EDV- und Telefonanlagen, Einrichtungen, Geräten, Maschinen und Werkzeugen? Was werden mich die Entwicklung eines Firmenlogos, einer Website, Drucksachen wie Briefpapier, Visitenkarten, Flyer usw. kosten? Wie und wen informiere ich über die Firmengründung beispielsweise mit einem Event für Kunden, Geschäftspartner, Behörden oder Medienvertreter? Soll ich in Branchenzeitschriften oder im Internet Werbung schalten?

Neben den Gründungskosten gilt es, die laufenden Fixkosten nach dem Start zu bedenken: Grosse Ausgabeposten sind die Miete der Geschäftsräume, Löhne und Versicherungen, Kosten für Firmenfahrzeuge oder Telefon- und Internetgebühren. Um diese Kosten zu planen empfiehlt sich, einen entsprechenden Investitions-, Finanz- und Liquiditätsplan zu erstellen.

Die 4 F zur Finanzierung

Sind die Gründungskosten ermittelt und ist der Finanzbedarf für die ersten zwei bis drei Jahre dank einem Businessplan mit Jahresbudgets klar, kommt die grosse Frage: Wie soll ich das alles finanzieren? Als Faustregel gelten die «4 F»:

  • Founder bzw. Gründer
  • Family, also Familie und Angehörige
  • Friends (Freunde)
  • Fools («Verrückte»)

Viele Gründer setzen ihr Erspartes aus früheren Tätigkeiten ein. Firmengründer, die Ihr Unternehmen als Einzelfirma führen, können zudem auf ihr Pensionskassen­kapital zugreifen und das Geld für Ihre Firma verwenden. Doch muss dies gut überlegt werden, da ein mögliches Scheitern der Firma die Altersvorsorge gefährdet. Wer den Gründer aus dem Familien- und Freundeskreis kennt, ist schneller bereit, als privater Investor einzusteigen, als unabhängige Drittpersonen.

«Jede fünfte Jungfirma überlebt das erste Geschäftsjahr aufgrund von Kapitalmangel und Liquiditätsproblemen nicht.»

Andreas Wüthrich, Dynamis Treuhand AG

Als Faustregel gilt: Das Fremdkapital (von externen Dritten) sollte nicht höher als das Eigenkapital sein. Ein Experte, wie beispielsweise ein Treuhänder, kann bei der Finanzplanung weiterhelfen, um die Verschuldung im Blick zu behalten. Tendenziell sollte mit dem Fremdkapital Anlagevermögen (wie beispielsweise Investitionen in Maschinen, Werkzeuge oder Fahrzeuge) und weniger der laufende Betrieb (Fixkosten, wie Löhne und Miete etc.) finanziert werden.

Banken und Business Angels

Banken zeigen sich zurückhaltend, wenn es um Kredite für Jungunternehmer geht, da diese erst wenige Sicherheiten bieten können. Mit einem guten Business- und Finanzplan wird vielleicht doch ein Kredit oder ein Kontokorrentkredit (Konto mit Überziehungsmöglichkeit) genehmigt. Doch sind die Zinskonditionen oft teuer und die Verpflichtungen streng.

Erfahrene Unternehmer unterstützen als Business Angels immer wieder Startups mit Kapital und bringen zudem ihre Erfahrung und ihr Netzwerk in eine solche Geschäftspartnerschaft ein. Deshalb gelten solche Angel-Investments als «Smart Money». Doch Business Angels sind keine wohltätigen Institutionen. Sie erwarten für ihr Engagement eine Rendite.

Förderpreise und Wettbewerbe

In der Schweiz bietet sich Jungunternehmern die Möglichkeit, an einzelnen von insgesamt rund 100 Businessplan-, Innovations- und Jungunternehmer-Wettbewerben teilzunehmen. Sie können dort ihre Geschäftsidee vorstellen. Es winken Förderpreise und Gewinne von bis zu 150'000 Franken.

Crowdfunding als Kapitalquelle

Das Crowdfunding (also die Schwarmfinanzierung) liegt im Trend. Über Internet-Plattformen erhalten Gründer für ihre Projekte Geld von Kapitalgebern und Supportern. Dabei unterscheidet man zwischen Crowdsupporting (Gegenleistung ist ein Produkt oder eine Dienstleistung), Crowdinvesting (gegen Firmenbeteiligung), Crowdlending (verzinsliche Darlehen) und Crowddonating (Spenden). Schweizer Plattformen dafür sind etwa investiere.ch; wemakeit.com und 100-days.net. Daneben verfügen im Schweizer Markt die US-Plattformen Indiego-go.com und Kickstarter.com über eine hohe Relevanz.

Venture Capital

Venture Capital-Gesellschaften investieren als Risikokapitalgeber in Form von Eigenkapital in Jungunternehmen und KMU während einer Wachstumsphase. Sie handeln dabei nicht uneigennützig, sondern wollen bei einem späteren Verkauf ihrer Firmenanteile eine möglichst hohe Rendite erzielen. Grosse, meist börsenkotierte Firmen unterhalten eigene Risikokapitalfonds und investieren auch in Startups, diese treten als «Corporate Venture» auf. Sie bleiben damit nah am Markt. Bei durchschlagenden Entwicklungen und Innovationen sichern sie sich zudem ein Vorkaufsrecht auf diese kleineren Firmen.

Selbstfinanzierung durch Bootstrapping

Es muss nicht immer die Aussenfinanzierung sein: Wer die Wachstumsphase seiner Firma mit selbst erwirtschafteten Gewinnen finanzieren kann, wächst vielleicht langsamer als mit fremder Unterstützung. Dafür ist er als Unternehmer keiner Drittpartei Rechenschaft schuldig, muss keine hohen Zinsbelastungen verkraften und Kredite abstottern. Diese Strategie der Innenfinanzierung wird als «Bootstrapping» bezeichnet.

Ein qualifizierter Treuhänder kann bei der Finanzplanung, Budgetierung und möglichen Finanzierungsformen Ihr Unternehmen unterstützen.

Über den Autor

Gründer/Founder, Treuhänder mit eidg. FA, Start-uP Coach GeX

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